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Betriebsentwicklung

Kühlen Kopf bewahren

person Hof und Leben Redaktion schedule 22. Juni 2026
Betriebsentwicklung Marktanalyse Pricing

Krisen machen Strukturen sichtbar, die im Normalbetrieb unsichtbar bleiben. Wer das als Störung wahrnimmt, wartet auf Beruhigung. Wer es als Information nutzt, handelt.

Die Frage im aktuellen Marktumfeld, das ja auch ein politisches ist, ist nicht, ob die Lage schwierig ist. Die Frage ist, was man daraus macht — als Betrieb, der sauber rechnet, vorausdenkt und in Bewegung bleibt.

Kühlen Kopf bewahren heißt nicht, stillzuhalten. Es heißt, klarer zu entscheiden und zu agieren als die anderen.


Handelsriesen kippen

Hellweg und BayWa Bau & Garten haben Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Rund 4.000 Beschäftigte sind betroffen. Der unmittelbare Auslöser: die Kündigung der Warenkreditversicherung. Nicht die Umsätze brachen zuerst ein — die Finanzierung der Lieferkette tat es. ¹

Das ist das Bemerkenswerte an dieser Meldung. Selbst Unternehmen mit Marktpräsenz und Umsatz geraten ins Stolpern, wenn Liquidität und Vertrauen gleichzeitig unter Druck kommen. Größe schützt nicht. Strukturelle Solidität schon.

Für landwirtschaftliche Betriebe lohnt sich die Frage, welche Handelsbeziehungen wirklich belastbar sind — und wo stille Abhängigkeiten entstanden sind, die im Alltag kaum auffallen, aber im Ernstfall teuer werden.

Frage für Ihren Betrieb: Wo sind Sie von einzelnen Strukturen abhängig — und was wäre Ihr Plan, wenn diese wegbrechen?


Tradition allein schützt nicht

Die Aktienbrauerei Kaufbeuren, über 700 Jahre alt, ist zahlungsunfähig. Hohe Energiekosten, sinkender Bierkonsum, ein Sortiment ohne zu große Innovation — am Ende hat die Rechnung nicht mehr gestimmt. ²

Was sich hier zeigt, ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster, das sich durch viele Branchen zieht: Betriebe, die auf Substanz und Geschichte vertrauen, ohne die Kostenstruktur anzupassen, werden vom Markt eingeholt. Nicht böswillig — mechanisch.

Die unternehmerische Reflexion daraus ist zweierlei. Erstens: Auch der eigene Betrieb braucht regelmäßige Ehrlichkeit gegenüber sich selbst — stimmt die Rechnung noch, wenn die Preise so bleiben und die Kosten weiter steigen? Zweitens: Insolvenzen schaffen Bewegung. Flächen, Standorte, Partnerschaften, Nachfolgelösungen — was heute noch vergeben ist, kann morgen zugänglich werden. Wer liquide bleibt und den Markt beobachtet, kann in solchen Momenten handeln.

Frage für Ihren Betrieb: Wann haben Sie zuletzt Ihre Kostenstruktur vollständig durchleuchtet — nicht nur die offensichtlichen Posten?


Verfügbarkeit als Preisthema

Beim Triesdorfer Ackerbautag war die Botschaft eindeutig: Experten raten zur Einlagerung — nicht primär wegen der Preisentwicklung, sondern wegen der Versorgungssicherheit. Lieferzeiten von sieben Monaten sind keine Ausnahme mehr. Bei schwefelhaltigen Düngern sehen Händler konkrete Engpassrisiken für das Frühjahr 2027. ³

Der entscheidende Gedanke dahinter: Unter hoher Unsicherheit ist nicht der günstigste Einkauf der klügste, sondern der planbarste. Wer Teilmengen frühzeitig sichert, kauft nicht zwingend billiger — aber er kauft mit Sicherheit. Wer wartet, riskiert beides zu verlieren: den Preis und die Ware.

Prof. Michael Tröster bringt es auf den Punkt: Risiken streuen, Einkäufe zeitlich staffeln, finanzielle Reserven aufbauen. Das klingt nach Haushaltsführung — ist aber in dieser Lage handfeste Betriebsstrategie.

Frage für Ihren Betrieb: Sichern Sie gerade Preis oder Versorgung — und haben Sie diese Frage bewusst entschieden?


Quellen:
– „Insolvenz: Hellweg und BayWa Bau und Garten pleite – 4.000 Beschäftigte betroffen” (Dr. Olaf Zinke, agrarheute.com, 18. Juni 2026)
– „Aktienbrauerei Kaufbeuren ist insolvent” (Alfons Deter, top agrar, 19. Juni 2026)
– „Lieferengpässe beim Dünger befürchtet: Experten raten zur Einlagerung” (Karola Meeder, agrarheute.com, 21. Juni 2026)

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