08247.308977 info@hofundleben.de

Gegeben ist: Stand heute!

Kürzlich verfolgten wir einen interessanten Online-Vortrag zum Thema „Investment in Krisenzeiten“.

Welche Branche boomt?

Welcher Sektor ist auf dem absteigenden Ast?

Warum ist das so?

Es tat gut, den Fokus auf nüchterne Erkenntnisse und langfristige volks- und ­betriebswirtschaftliche Rahmendaten zu legen.

Ja, viele Familien und Betriebe kommen im aktuellen Zeitgeschehen persönlich oder wirtschaftlich an ihre Grenzen. Alternativlosigkeit für Entwicklungen im Familien-Unternehmen sehen wir bei aller Härte aber nur durch mangelnde Information oder fehlende Motivation kommen.

Zur Umsetzung wirklicher Alternativen bedarf es gleichzeitig Entschlussfreudigkeit, Mut, ­Tatkraft und Führung.

 

In guten wie in schlechten Zeiten 

Von Krise zu Krise und von Hoch zu Hoch wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben. ­Manchmal länger, manchmal nur kurz. Immer wieder wird diese Sau auch von denjenigen mit Macht oder Einfluss am Markt geschickt benutzt. Das kennen wir.

Man fragt sich, wer treibt die Sau? 

Wer bringt sie auf den Markt? 

Wer nimmt sie wieder mit?

Hektisch geborene Regulierungen rund um die eigentlichen Ereignisse bilden immer neue ­Handlungsrahmen mit gesellschaftlich-sozialen Auswirkungen und erheblichem Einfluss für den wirtschaftlichen Betrieb. Einige Märkte leiden, andere profitieren. Manche verschwinden und es entstehen plötzlich neue Märkte, die keiner für möglich hielt.

Uns interessiert in der Hof und Leben, wie wir dem jeweils Gegebenen konkret und aktiv unternehmerisch begegnen können. Wir machen also das Gleiche wie immer im sich verändernden Kontext.

Wahrheit und Klarheit

Statt uns von neuer Normalität überwältigen zu lassen analysieren wir bestehende Situationen und Umstände. Und wir lassen die dabei erzielten Erkenntnisse gelten, ohne das Bild zu schönen.

Was ist gegeben?

Was soll erreicht werden?

Wie kommen wir da hin?

Dabei ist es weder zu komplex noch unerlaubt, die Dimension des Kontextes anzupassen: Einzelbetrieb, Gemeinde, Landkreis, Region, Land, Kontinent, Welt.

Es lohnt sich der Blick auf bereits vor 2020 bekannte Entwicklungen in Gesellschaft, Markt und Politik zu lenken. 

Welcher Bereich prosperierte? 

Welcher kriselte bereits?

Was funktionierte (noch)?

Was nicht (mehr)? 

„Wenn wir uns damit aufhalten, die bestehenden Zustände zu optimieren, machen wir nur die falschen Dinge perfekt und damit perfekt falsch.“

Michael Braungart

Cocktail aus frischem Geld, Verschuldung und Insolvenzverschleppung

Aus aktuellem Anlass wird also wieder Geld gedruckt. Es gibt scheinbar einfaches schnelles Geld. 

Seit Jahren unwirtschaftliche Unternehmen werden dabei nicht wirtschaftlicher. Sie weiten ihre Verschuldung nochmals aus. Es entstehen riesige Generationen-Schulden im Staatshaushalt und im Sozialsystem.

Die aktuellen Ereignisse verschieben die politischen Prioritäten erneut in Richtung Wachstumspolitik und Konsumstimulation. Die Maßnahmen wirken aber nur noch bedingt, da die konkrete realwirtschaftliche Zukunfts­aussicht fehlt. Und genau wie Medikamente haben auch wirtschaft­liche und geldpolitische Maßnahmen Nebenwirkungen. 

Alles passiert im Vertrauen auf eine angenehme Entschuldung (aus dem US-amerikanischen: „beautiful deleveraging“): ein bisschen Sparmaßnahmen, ein wenig Umschuldung und ein gewisses Maß an frisch gedrucktem Geld. Wenn es in der richtigen Mischung gemacht wird, soll weder zu viel Deflation noch zu viel Depression dabei herauskommen, sondern ein positives langsames Wachstum.

Schöne Theorie. Was wir aber in echt erleben, ist ein Rausch ohne reale Wertschöpfung. Das viele Geld sucht sich seinen Weg und es entstehen an den Börsen Kursfantasien. Sobald sich die großen Kapitalmengen in Bewegung setzen, von Sektor zu Sektor, von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent sind tiefgreifende Verwerfungen zu erwarten.

Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie stark es knallt.

Das Modell des „beautiful deleveraging“ baut auf finanztechnische Effekte und eine nicht näher beschriebene Hoffnung auf bessere Zeiten. Es setzt auf Zeit, und darauf, dass schon alles wieder besser werden wird. Es wird darin verkannt, dass reale Wertschöpfung etwas mit realer Arbeit zu tun hat, mit praktischem Anpacken als Reaktion auf reale Nachfrage. 

In der Entkoppelung von Realmarkt und Finanzmarkt sehen wir das eigentliche Problem, das seit Jahrzehnten besteht und sich kumuliert.

Die Politik reagiert nicht mehr einschneidend, sondern nur noch kosmetisch und an Klientel orientiert. Sie wird mit großer Wahrscheinlichkeit am Bestehenden herumdoktern, und damit in vielen Bereichen ungewollt aber doch perfekt falsch handeln.

Das Bestehende war vor 2020 und schon früher nicht mehr vollkommen gesund. Und zwar auch aufgrund der immer wieder verpassten Möglichkeiten notwendiger ­Transformation in Wirtschaft und Gesellschaft. Wirkliche Nachhaltigkeit? Davon sind wir weit entfernt: im Wirtschaftlichen, im Sozialen wie im Ökologischen. Eine Kehrtwende der Übernutzung unserer Erde und ihrer begrenzten Ressourcen ist nicht absehbar. Ganz im Gegenteil. 2020 reichte die jähr­liche Bio-Kapazität der Erde wiederum nur bis August. 

 

Tatsächlich stehen uns eben nur exakt 1,0 Erden zur Verfügung und nicht 1,6 und wir haben keinen Reserve-Planeten. 

Es ginge also darum, die Menschen an der Hand zu nehmen, und ihnen mitzuteilen, dass Veränderungen und auch Einschränkungen notwendig sind. Und zwar in echt, für die Erde spürbar und nicht nur bilanziell-kalkulatorisch. 

Die Bereitschaft einen harten Weg mitzugehen ist dabei deutlich größer, wenn es eine echte Perspektive gibt. Nennen wir die Perspektive einfach „Lebenswert für unsere Kinder und Enkel weltweit“.

Stand heute dürfen wir mit einem „weiter wie gehabt“ rechnen. Unser System, unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft bleiben damit ohne grundlegende Veränderungen anfällig für jede Krise, für jedes Aufhusten im Finanzsektor. Im Westen wird der Aufprall auf hohem Level nicht existenziell sein. Aber doch wird der Wohlstand mit jedem Jahr fragiler und fragwürdiger.

Das Ergebnis der Entfremdung von Realwirtschaft und Finanzwirtschaft lässt sich auch daran ausmachen, dass bis vor wenigen Jahrzehnten der Engpass in der Wirtschaft das Geld war. Heute sind es sinnvolle, sichere und gleichzeitig rentable Projekte. 

Hier kann die Landwirtschaft ein knappes Gut liefern. Als Branche und als Einzelbetrieb oder im regionalen Verbund ist die Landwirtschaft ein exzellenter Sektor für Investitionen. Davon sind wir überzeugt. Die Landwirtschaft kann generationenübergreifend Vermögen erhalten und aufbauen. Grundlegend dafür ist das Ineinandergreifen und das gemeinsame Erreichen von Ökologie und Ökonomie.

Und dennoch: Stand heute können wir für die Branche leider auch folgendes Begriffspaar ­prägen: Systemrelevanter Mindestlohnsektor. Wir wollen genau das reflektieren und hinterfragen, wie es so weit kommen konnte.

Systemrelevanter Mindestlohnsektor

Erhalt und Aufbau regionaler Wirtschaftskreisläufe und Wertschöpfung in den Regionen werden allgemein als Voraussetzungen für eine zukunftsträchtige und krisenfeste Daseinsvorsorge gesehen.

Interessant und kritisch dabei ist, dass sich diese Strukturen in der Breite nicht selbst tragen. Ganz im Gegenteil. Die ganzheitliche Versorgung ist regional zum Teil prekär. Für das Leben existenzielle Bereiche wurden kleingespart und auf ­Effizienz getrimmt.

Systemrelevanter Mindestlohnsektor: ein Widerspruch in sich, der die Zerrissenheit in unserer Branche genauso wie in der gesamten Gesellschaft gut beschreibt.

Die Landwirtschaft ist aktuell in vielen Bereichen herausgefordert: Nitrat-Belastung, ­Bodenqualität und Wasser-Verfügbarkeit, veränderte Verfahren in der Tierhaltung, das Ende der EEG-Laufzeiten für Biogas-Betriebe werden extreme Herausforderungen mit sich bringen.

Es ist zwecklos, sich der Wahrheit und der Realität zu verweigern. Wir können zwar die ­Realität ignorieren, aber die Realität wird uns nicht ignorieren.

Sehen wir also Chancen für mehr Wertschöpfung und Wertschätzung flächendeckend in der Branche? Ohne systematischen Wandel: nein.

Aber wir sehen sehr gute einzelbetriebliche Situationen und Entwicklungen, auf die wir ­aufbauen können. Dabei kann es elementar sein, Produktion, Verarbeitung und Vermarktung völlig neu und anders aufzusetzen. 

Handeln in Grenzsituationen

Die Angst vor Vergänglichkeit, die Instabilität und Fragilität der vom Menschen gemachten Welt wird gerade der gesamten Gesellschaft wieder offenbar. 

Das Leben bleibt dabei genauso sinnvoll oder sinnlos wie vorher. Änderte sich gar nichts? Es änderte sich vielleicht die Haltung: Demut, Geduld und zwischen­zeitliche innere Einkehr kommen wieder in den „Lebensentwurf“ der Gesellschaft zurück.

Friede kommt daraus, dass der Sinn zu Ende gelebt wird. Die halben Dinge machen Unfrieden.  Romano Guardini

Romano Guardini stellt den neuzeitlichen Antworten des Atheismus, des Existentialismus und des Idealismus die der christlichen Offenbarung gegenüber. Diese lässt zwar dem Tod seinen Ernst doch nimmt sie ihm seine Ausweglosigkeit und verwandelt damit sein Wesen.

Unsere heutige universale Grenzsituation betrifft jeden Einzelnen und hat den Anschein des Ausweglosen. Wir folgen dabei in der Hof und Leben auch Gedanken von Karl Jaspers, demzufolge Grenzsituationen die Möglichkeit bieten, vom Dasein zur Existenz zu gelangen. Zum Dasein, zum Sein in Situationen. Ins Hier und Jetzt. Das bedeutet für uns, der Grenzsituation tapfer entgegenzutreten und sie anzunehmen.

Für den Umgang mit ihr und ihre Bewältigung gibt es aber keine Schablone.

Es geht weder darum, dagegen anzukämpfen, noch darum stoisch etwas zu ertragen. Was Stoikern fehlt, ist die Kommunikation. 

Wir sehen in echter Kommunikation die Chance der Existenzerhellung auch für die Landwirtschaft. 

Es ergibt sich gerade eine neue Perspektive. Es wird auch wieder um Macht und Einfluss gehen. Wie gehabt. Tod und Einsamkeit, Notwendigkeit und Zwänge werden ihre Rolle spielen. Aber auch das bewusste Loslassen und persönliche und unternehmerische Freiheit.

Tierwohl, Umwelt und Gesundheit

Wo sollte dann in der Landwirtschaft investiert werden? 

Es muss nicht zwanghaft anders sein. Aber: die herkömmlichen und in der Breite bekannten Wege werden sich noch weiter austrampeln. Dort wird nichts Zusätzliches zu gewinnen sein, solange Sie nicht die Stufe der von der Lebensmittelindustrie ausgelagerten zu Grenzkosten produzierenden Urproduktionsstätte verlassen.

Es geht um interessante Geschäftsfelder, authentisches Geschäft und echte belastbare Geschäftsbeziehungen. 

Die Gesellschaft fordert nicht nur. Sie ist in Teilen auch ein dankbarer Abnehmer. Tierwohl, Klima und Umwelt genauso wie persönliche Gesundheit, Immunität und Resilienz werden eine weiter steigende Bedeutung erlangen. 

Es wird weiterhin auch um Mengen gehen. Aber egal welchen Lebensstil Sie bedienen oder welche sonstigen Dienstleistungen Sie regional oder global anbieten: die ­Qualität wird nochmals entscheidender, genauso wie Ihre Kommunikation und Ihre Beziehung zu Geschäftspartnern, zu anderen Menschen. Hier ist ­Wertschöpfung zu erreichen.

Es zeichnen sich neue Märkte ab, die auch Landwirte direkt ansprechen dürfen:

„Unsere Tiere haben keine Herkunft, sondern eine Heimat“.

„Wir produzieren mit geringst möglichem CO2-Ausstoß!“

„Digitale Auszeit bei uns im Stall!“

„Regionales Super-Food, DETOX-Smoothie – gibt’s bei uns am Hof!“

Es entstehen für einige dieser Märkte bereits Rahmen – ausgelöst durch langfristige europäische Leitlinien wie „Green Deal“, Biodiversität- Strategie, Nachhaltigkeits-Strategie, „Farm to Fork“.

Orientierung und Perspektive

Was uns mit vielen unserer Mandanten eint ist die Erkenntnis, dass finanzieller Erfolg als ­zentraler Lebenszweck hohl ist. Ohne finanziellen Erfolg im Unternehmen erübrigen sich ­gleichsam Gedanken über Zukunftsfähigkeit für Generationen von selbst.

Wir sehen weltweit, national und regional dringenden Klärungsbedarf. 

Was ist gegeben? 

Was soll erreicht werden? 

Wie kommen wir da hin? 

„Wenn Du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!“ 

Die Kombination des Wegschauens vor den Ursachen, der Insolvenzverschleppung, des Geld­druckens und der Bilanzkreativität kann nicht unbegrenzt durchgehalten werden. 

Wir stehen mit einiger Wahrscheinlichkeit am Beginn einer pandemischen Wirtschafts- und ­Finanzkrise. Noch werden die Schulden und deren Folgen übertüncht und die Finanzmärkte mit frischem Geld künstlich beatmet.

Wir sprechen immer wieder von Blasen und vom Crash, der kommen wird. Auch sprechen wir davon, dass der Aufprall umso schlimmer werden wird, je weiter wir ihn hinauszögern.

Wir sollten damit wahr und klar umgehen. Wir sehen eine Notwendigkeit und Pflicht für Unternehmen wie Gesellschaften, sich weder selbst noch andere über die wahre Lage zu belügen.

Saat und Ernte

Grenz- und Krisen-Situationen machen Schwachstellen häufig noch effektiver offenbar und erzeugen Veränderungsdruck. Die ungewisse Zukunft ist für uns ein Möglichkeitsraum

Vor uns liegt – wie eh und je – eine Ära der Visionäre. Entscheidend ist die Einsicht, dass wir selbst die Weichen stellen. Darin stecken die wichtige Verantwortung und wahre Arbeit für Unternehmerpersönlichkeiten, Führungskräfte und echte Macher.

Wir haben in der Landwirtschaft kein Problem mit Unsicherheit und Vergänglichkeit. Wir sind mit Saat und Ernte und all ihren Risiken und Unwägbarkeiten vertraut. Wir wissen, die Natur, unsere Erde, unser Klima wird uns Menschen überleben. Das führt auch zu Demut, Ruhe und Gelassenheit. 

Passt diese mit unternehmerischer Unruhe zusammen? Wir meinen ja, und wir fordern diese bei unseren Mandanten ein. 

Es geht darum, Zukunftsbilder zu entwickeln, die es wert sind, an deren Verwirklichung zu arbeiten.

Berufen Sie sich nicht auf eine unentschlossene Gesellschaft, multimediale Panik, oder auf systematische Webfehler. Warten Sie nicht auf Besinnung und gute Vorschläge aus der aktuellverunsicherten Politik. Gehen Sie voran!

Setzen Sie einen Gegenpol der Sicherheit, der Beziehung, der Verlässlichkeit und auch der Innovation in der Landwirtschaft. Damit können sie das liefern, wonach eine sozial distanzierte Gesellschaft sich sehnt und was aktuell in der Realwirtschaft und für die Finanzwirtschaft fehlt: sinnvolle, sichere und rentable Projekte.

Wir sehen in diesem Zusammenhang einen unternehmerischen Impuls und Reiz, mutig voran zu gehen. 

Okt 9, 2020