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Wir sind der Weltmarkt!

Heutzutage werden die meisten landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu Weltmarktpreisen gehandelt. Für viele Marktteilnehmer ist dies selbstverständlich, irgendwie logisch – agrarische Rohstoffe zu Weltmarktpreisen.

Die Weltmärkte wachsen im Zuge der Globalisierung immer enger zusammen – zu einem einzigen Weltmarkt. Wir sprechen von Freihandel. Vor China und seiner Wirtschaftsleistung fürchten wir uns ein wenig, vielleicht möchten wir uns schützen. Gleichzeitig spekulieren wir auf steigenden Fleisch- und Milchbedarf in Asien. Die USA und Brasilien beängstigen uns mit ihren Unterstützungen für die Landwirtschaft und guten Produktionsbedingungen. Wir befinden uns auf einem freien Weltmarkt, aber unsere Nachteile durch die Produktionsbedingungen sollten ausgeglichen werden.

Nein, wir haben keinen Freihandel.

Es bestehen nach wie vor Markt- und Handelsschranken in allen Bereichen des Welthandels. Ob Schutzzölle auf Einfuhren oder Subventionen für die heimische Landwirtschaft: es existiert momentan kein Freihandel.

Dabei bedeutet wirklicher Freihandel vermutlich nicht faires Handeln. Die weltweiten Akteure handeln untereinander so lange frei und fair, wie sie davon profitieren. Es geht darum, Geschäfte zu realisieren. Die Begriffe Weltmarkt, Freihandel und Globalisierung suggerieren Handel und Geschäft ohne unnötige Schranken, dazu noch Anonymität. Es lockt ein grenzenloses Geschäft – sowohl räumlich als auch finanziell.

Gier macht sich breit.

Aus der Suche nach Rendite und nach Sicherheit entstehen Agrarfonds, die weltweit Flächen akquirieren, um mit dem laufenden Betrieb und der Spekulation auf steigende Grundstückspreise Geld zu verdienen, und Anteilseigner zufrieden zu stellen – mit Sicherheit mehr Rendite. Unangenehme Nebeneffekte des Geschäftes verantwortet der Weltmarkt. Man ist nicht verantwortlich, nicht schuld.

Schuld ist der Weltmarkt.

Man schimpft über den Weltmarkt. Man fühlt sich unter Kostendruck. Arbeitszeit ist ein knappes Gut. Bedenkzeit ebenfalls. Fragen danach, warum landwirtschaftliche Güter heute weltweit als Rohstoff gehandelt werden, werden nicht gestellt. Dabei gibt es viele Fragen, die rund um den Weltmarkt und den angeblichen Freihandel auftauchen. Antworten sind schwer zu finden:

  • Wie konnten sich Menschen früher ernähren, ohne tausende Tonnen Fleisch zu exportieren und gleichzeitig zu importieren?
  • Wer wollte und will weltweit handeln? Der Landwirt? Der Agrarkonzern? Anlegerkonsortien?
  • Wieso müssen europäische Landwirte auf dem Weltmarkt mithalten, und dazu mit hohen öffentlichen Summen gefördert werden?
  • Produzieren wir für uns, unsere Region, unser Land oder für den Weltmarkt?

Es scheint, als müsse und wolle man auch nicht immer alles wissen. Der Weltmarkt ist hart aber unpersönlich. Er ist die willkommene Ausrede für fehllaufende Geschäfte. Wir können nicht anders, wir müssen ja, der Weltmarkt hat uns gedrängt.

Der Weltmarkt ist da, er ist überall, und wir sind mittendrin. Nur eine Frage und gleichzeitige klare Antwort sei erlaubt: Wer ist der Weltmarkt? Wir.

Der Weltmarkt sind wir.

Wir tragen die Verantwortung für das Leben und Wirtschaften unserer Zeit, und sollten uns dieser bewusst sein. Die strategische Ausrichtung von landwirtschaftlichen Unternehmen beruht auf wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, den vorhandenen Ressourcen des Betriebes und vor allem auf der Vision der Unternehmensführung. Aufgabe der Betriebsleiter ist es, die Richtung vorzugeben. Landwirtschaftlichen Unternehmen stehen viele Wege offen: von Spezialisierung und Diversifizierung über Wachstum oder Schrumpfung hin zu neuen Betriebszweigen oder der Betriebsaufgabe. Betriebliches Wachstum ist dabei ein Weg unter vielen – kein Naturgesetz. Die einzelbetriebliche Wettbewerbsfähigkeit hängt nicht allein von der Betriebsgröße ab, sondern von der Sinnhaftigkeit individueller Betriebskonzepte in ihrem regionalen Kontext.

Wir verstehen den Weltmarkt nicht. Er ist komplex, setzt uns unter Druck, und wirft Fragen auf, auf die wir keine Antworten haben. Vielleicht setzen wir uns dem Druck des Weltmarktes unnötig aus. Wir haben für die wichtigen Fragen unserer Region die passenden Antworten.

Wir bringen Wissen und Erfahrung mit.

Wir kennen Land und Leute.

Hier können wir sinnvoll wirtschaften.

Ist dieses Potenzial bereits vollständig ausgeschöpft?

Sicherlich nicht.

Mai 23, 2011